Tag 24: Very cool - Santiago

Blick über Santiago de Chile vom exklusiven W-Hotel. Rechts im Bild: der Titanium La Portada -
das höchste Hochhaus in Santiago, kurz vor der Vollendung. 

Wenn man aus Hamburg kommt, muss man sich in Sachen Architektur fast schon schämen: Während hierzulande für den Bau einer mittelgroße Philharmonie an der Elbe möglicherweise ein Jahrzehnt draufgeht und man im Urlaub gerne mal über das bauliche "Unvermögen" anderer Völkerstämme lächelt, macht Santiago de Chile vor, wie es geht. Mächtige Wolkenkratzer klettern in kürzester Bauzeit in den Himmel. Supermoderne Hotels lassen ihre Pools 80 Meter über der südamerikanischen Metropole errichten. Gewachsene Stadtteile mit kolonialem Charme werden in ihrer Ursprünglichkeit erhalten, gleich daneben entstehen mondäne Viertel aus Glas und Stahl aber mit viel Grün dazwischen. In Santiago haben die Stadtplaner gelernt, dass Monokultur in Sachen Büros und Banken zu toten Stadtteilen führen würde - und haben sie erst gar nicht gebaut. 

Tag 23: Wäscheklammern und Gummistiefel



Die schrill bunten Furniculares (Kabinenaufzüge) erleichtern es, in die höher gelegenen Viertel von Valparaíso zu gelangen. Sie sind teilweise weit über 100 Jahre alt und im Originalzustand!
Boutique-Hotels sind nicht jedermanns Sache. Betonung liegt auf Mann. Denn dem fehlt in den kleinen, gepflegten, meist von Privatleuten betriebenen und durchaus edlen Stadt-Pensionen meist ein Pool zum Entspannen, eine richtige Bar, um Leute zu treffen. Und auf TV-Programme mit Fußball aus Europa wird auch nicht wirklich Wert gelegt. In Valparaíso, dem "Hafen" von Santiago de Chile, steigen wir im Zero ab. Top-Lage, am Hang über dem Hafen. Der Lady gefällt's richtig gut - doch gemeinsam erleben wir leider eine  Enttäuschung. Warum man bei einem Besuch in Valparaíso immer ein paar Gummistiefeln und eine Wäscheklammer im Gepäck haben sollte:

Tag 22: Wo der Wein wächst

Bald ist Erntezeit: Überall wächst der Wein in der wasserreichen Region Colcheagua.

Immer weiter geht unsere Fahrt nach Norden. Über die wirklich prima ausgebauten chilenischen Autobahnen Richtung Talca und San Fernando. Und während wir eine der (leider zahlreichen) Mautstationen passieren, stehen plötzlich rechts und links der Autobahn unübersehbar viele Rebstöcke. Wein über Wein. Sattgrüne Blätter, in deren Schatten dicke, blaue Reben wachsen. In etwa einem Monat ist Erntezeit und dann ist das Colcheagua, die Heimat des bekannten und wohl besten chilenischen Weines, wieder Schauplatz einer gigantischen Traubenlese.

Tag 21: Thermik-Tanz auf dem Vulkan

Blick in den rauchenden Krater des Villarrica (2847m).
Das Highlight einer Reise ergibt sich oft unverhofft. So auch auf dieser Südamerika-Tour. Mit dem Jeep fahren wir bei zum ersten Mal strömendem Regen im leichten Nebel allein auf einer üblen Schotterpiste Richtung Pucón. Der Weg führt durch die Berge und das Team im Hotel hatte von der Strecke mit der Nummer T29 wegen der nassen Holzbrücken und plötzlich auftretender, reißender Regenwasserbäche abgeraten. Aber es soll ja nun ein Abenteuerurlaub sein und die strapaziöse Fahrt wird am Ziel mit einer abendlichen Begegnung belohnt, die eine unerwartete Folge hat: Den Flug über den Vulkan Villarrica! Ein Tanz mit der kleinen Cessna in den Turbulenzen über dem aufsteigenden Kraterdampf. Und das kam so:

Tag 20: Der Flug des Kondors und eine warme Wanne

An einem Canopy-Seil geht es 520 Meter durch den Wald, 90 Meter über einer Schlucht.
Nix für Leute mit Höhenangst: In den tiefen Wäldern des Naturreservates Huilo Huilo haben sich ein paar pfiffige Jungs, geduldet von Bioreservatbesitzer Victor Petermann, ihre ganz eigene Geldquelle erschlossen: Touristen zum "Canopy" zu bringen. Als unerschrockener Sauerländer und Reisefreund habe ich das Zip-Lining, wie es auf Englisch heißt, schon einige Male gemacht. Die Länge der Seile, die die Canopy-Jungs in die alten, bis zu 40 Meter hohen Nothofagusbuchen den Bergen um Huilo Huilo gespannt haben, ist nichts für Leute mit Höhenangst. Das längste Stahlseil misst 520 Meter und ist ca. 90 Meter über Grund, während man mit Gurtzeug und Seilrolle mit ca. 70 km/h daran entlang rast. Wie gut, dass man am Nachmittag die Nerven beruhigen kann - an den heißen Pirihueico-Quellen der Mapuche-Indianer ...

Tag 19: Home of the Hobbit

Das Bioreservat Huilo Huilo. Mittendrin steht das Hobbit-Hotel.
Als kleiner Junge, beim Spielen im Wald, hat man davon geträumt: ein Baumhaus in der Krone einer alten Buche mit allem erdenklichen Komfort, Holzstege in den Wipfeln der Tannen, so dass man nicht hinunter klettern muss. Das Baumhaus im heimatlichen Sauerland gab es übrigens (allerdings nur ein paar Bretter und eine olle Matratze). Was aber ein gewisser Herr Victor Petermann da in den dichten Wäldern im Süden Chiles, in Naturreservat Huilo Huilo, erschaffen hat, sucht Seinesgleichen. Steht man vor dem Wald-und Bio-Resort im entlegenen Naturschutzgebiet, fällt einem nur noch "Home of the Hobbit" ein. Petermann hat einen Jugendtraum wahr werden lassen. Auf höchstem Niveau und das Ganze auch noch nachhaltig... Es ist wie in einem Märchen.

Tag 18: Schleswig-Holstein mit Vulkan

Das Land, wo Milch und Honig fließt: die Region um den Llanquihue-See.
Ganz ehrlich: Plötzlich sieht es aus wie an der Schlei in Schleswig Holstein. Auf sattgrünen Wiesen grasen friedlich Schwarzbunte, gelbe Butterblümchen wiegen sich im Wind, die Holzhäuschen sehen mit ihrem leicht viktorianischen Giebelgezier aus wie die an der Ostsee zu Omas Zeiten. Eine Tafel am am hölzernen Gartenzaun lädt auf Deutsch zu Kaffee und Kuchen. Und das mitten im "Kleinen Süden" Chiles. Unglaublich! Doch Tatsache. Im kleinen Örtchen Fruttilliar am Llanquihue-See steht im Gebäude der örtlichen Löschgruppe sogar ein Löschfahrzeug 16 (LF 16) mit der spiegelverkehrten Aufschrift "Feuerwehr", gestiftet von der Stadt Herten. Eine Bilderbuch-Landschaft, wo Milch und Honig zu fließen scheinen. Und über allem thront der Osorno. Der 2652 Meter hohe Vulkan ist perfekt geformt und wirkt irgendwie fehl am Platz. Denn im echten Schleswig-Holstein gibt es ja auch keinen Feuerberg...

Tag 17: Gaucho-Feeling mit Sorpresa


Eine Estancia in Patagonien - wie gemalt!
Es hat ja etwas von Western-Romantik. Auch wenn man vom Wilden Westen ca. 8.000 Kilometer entfernt ist. In Argentinien und Chile gehören die Gauchos halt wie das Gras zur Pampa. Und umso größer ist die Freude, wenn man den echten "Herren der Pampa", live und in Farbe ganz überraschend begegnet. Vor allem zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Um etwas über diese Geschichte und über den Selbstversuch als Gaucho-Reiter zu erfahren, muss man:

Tag 16: Gletschereis und Pisco Sour

Die Abbruchkante des Grey-Gletschers am gleichnamigen Lago Grey.

Ein Drink mit echtem, tausend Jahre altem Gletschereis - das hört sich zunächst einmal ganz gut an. Um aber an das Eis heranzukommen, gibt es genau zwei Möglichkeiten. A: Die sechsstündige Wanderung vom Lago Grey (benannt nach seinem Entdecker) über einen eher für Bergziegen geeigneten Pfad voller Lavageröll bis zur Eiskante. Oder B: Mit dem Boot über den See direkt an den Gletscher selbst. Nach dem gestrigen, langen Marsch über die Plänen des Torres del Paine entscheiden wir uns für die leider etwas touristische aber dann doch wieder bildgewaltige Bootstour.

Tag 15: Der Flügel des Kondors

Blick von der Bar des Tierra Patagonia: Noch Fragen?
Es ist gerade einmal drei Jahre jung - das Hotel Tierra Patagonia. Gebaut auf einer riesigen Estancia, kurz vor den Toren des Nationalparks Torres del Paine. Und es ist, so darf man getrost annehmen, nur mit sehr, sehr guten Connections möglich, an dieser exponierten Stelle ein derart luxuriöses Resort zu errichten. Aber es ist schlicht gesagt eine Komposition aus absolut gelungener, naturkonformer Architektur und einem ungezwungenem High-End-Standard, der seines Gleichen sucht. So ist der teilweise zweistöckige, lang gestreckte Bau, der fast 250 Meter misst, aus einer Entfernung von sechs Kilometern Luftlinie mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen. Die gesamte Dachkonstruktion, die wohl an den Flügel eines Kondors erinnern soll, ist durch die Deckung mit Holz einfach nicht auszumachen. So perfekt hat der Architekt das Gebäude in die Landschaft integriert.

Tag 14: Tierra Patagonia oder Paradise is here...

Wie ein Postkartenmotiv: Der Lago Nordenskjöld bei Windstille vor dem Paine Massiv.

Unter den jungen Männern und Frauen des israelischen Militärs gilt er als das dem Paradies am nächsten kommende "Himmelreich auf Erden". Der Nationalpark "Torres del Paine" im Süden Chiles. Zu Hunderten kommen die Israelis nach ihrem zweijährigen Wehrdienst in den Sommermonaten in den Torres del Paine, um die Knarre gegen die Wanderstöcke zu tauschen. Trekking statt Manöver, Foto-Safari statt MG-Schießen. Und die bildgewaltige Landschaft Patagoniens vermittelt tatsächlich beinahe schon eine religiöse Friedlichkeit. Wer einmal vor Ort war, wird diese Eindrücke niemals mehr vergessen. Und jetzt, mitten im Herbst, also Ende März, ist die Zahl der Besucher des Parks auf ein Minimum geschrumpft.

Tag 13: Die Insel der Pinguine

Gustav und Rüdiger (so haben wir die beiden Fotomodels getauft) betrachten neugierig die beiden Kreuzfahrtschiffe
Irgendwie sind sie wie kleine, liebenswerte Tolpatsche: Mal tapsig, mal teilnahmslos oder auch mal trottelig. Aber eines ganz bestimmt - großartig zu beobachten! Die Magellan-Pinguine von der Isla Magdalena, einige Seemeilen östlich von Punta Arenas. Es wird ein hautnaher Besuch bei der faszinierenden Brutkolonie auf der relativ großen Insel, auf der ein Leuchtturm die einzige menschliche Behausung ist. Ansonsten ist dies: Pinguin-Land!!!

Tag 12: La Tierra del Fuego

Vom Biber gestaut: Der Märchensee bei Wulaia.
Wie im Discovery-Channel mit Full HD gleiten seit Stunden die Ufer der Fjorde Feuerlands an unserem Kabinenfenster vorbei. Eine so ursprüngliche Landschaft, die jetzt im Herbst bei dem langen, blauen Licht ihren Reiz einfach noch stärker entfaltet. Der Wind ist fast völlig eingeschlafen und die Wasseroberfläche vor der Insel Navarino (Chile) ist glatt wie ein Spiegel. Selbst beim Anlanden im legendären Wulaia, einem entlegenen Außenposten südlich von Ushuaia, reichen leichte Wanderkleidung und Trekkingschuhe.

Tag 11: Das echte Kap Hoorn

Wahnsinns-Licht beim Sonnenuntergang. Die Stella Australis beim Auslaufen vor Ushuaia.
Das Licht der untergehenden Sonne sieht von Deck aus, als ob der Herrgott einen Glutofen in den Bergen angefacht hätte. Feurig leuchtend versinkt die Sonne hinter der Gebirgskette, als die Stella Australis den Hafen von Ushuaia verlässt. Alle Passagiere haben sich an Deck des kleinen chilenischen Explorer-Kreuzfahrtschiffs der Reederei Cruceros Australis versammelt, um dem gigantischen Anblick beizuwohnen. Das nächste Ziel am nächsten Morgen: Kap Hoorn. Jene sagenumwobene Inselgruppe, die den südlichsten Punkt Südamerikas bildet und deren Riffe zum kalten Grab so manchen Seemanns wurden.

Tag 10: Mate-Tee und Schoko-Pinguine

Die Schoko-Pinguine von Ushuaia. Fast zu schade zum Verspeisen.
Wer Südamerika bereist, kommt um den Genuß von Mate-Tee nicht herum. Und selbst am südlichsten Zipfel des Kontinents machen die Menschen den Aufguss des Mate-Tees zur Wissenschaft. So ein bisschen riecht der Tee wie "Gras", eine gleichartige Wirkung bleibt allerdings aus (das schon mal vorweg).
In einem kleinen, ganz bezaubernden Café namens "El Almacen de Ramos General" in Ushuaia, gleich gegenüber der Tankstelle im Ort, weiht uns Kellner Jorge vor dem Einschiffen noch schnell in das richtige Aufbrühen vom Mate-Tee ein. Am Ende wurde ein zehnminütiges Video daraus.

Tag 9: Der Irish Pub am Ende der Welt


Der Irish Pub am Ende der Welt: Es gibt viel Bier - nur keins aus Irland...
Jede kleine Stadt, die etwas auf sich hält, hat natürlich einen Irish Pub. Oder? Die südlichste Stadt der Welt hat jedenfalls einen. Und gar keinen schlechten dazu. In Feuerland, genauer gesagt in Ushuaia, stehen Juan und Carlos mehr als fröhlich hinter dem Tresen ihrer "Bar Ideal" und schenken tüchtig einen aus. Dass es im Irish Pub gar kein irisches Bier gibt - also weder Guinness oder Kilkenny - ist Nebensache. Hauptsache ist doch eine Stimmung ist wie am St. Patrick's Day.

Tag 8: Die Per(r)onistas von Buenos Aires

Rodriguez ist einer der "Hundeflüsterer" von Buenos Aires.
Der Name Perón hat in Argentinien einen ganz eigenen Klang und gehört unverbrüchlich zur einstigen Präsidentenfamilie. Morgens beherrschen im feinen Stadtteil Recoleta jedoch ganz andere Per(r)onisten das Bild. Denn Perro mit zwei "r" heißt auf Spanisch Hund und in ihre Vierbeiner sind die Porteños, wie sich die Menschen in Buenos Aires gerne nennen, ganz verliebt. Nur wohin mit dem treuen Freund, wenn man den ganzen Tag im Büro oder Geschäft ist? Dafür hat sich ein ganz eigener Berufszweig gebildet. Den Begriff "Perronista" würden die Hundebetreuer natürlich ob der Verwechslungsgefahr mit der Präsidentenfamilie niemals verwenden.

Tag 7: Tango mit Touristen

Die Porteños in ihrem Element. Der Tango wird zelebriert. Auch wenn es dem Hund egal ist...
Wie erfrischend anders ist Buenos Aires! Nach einem verschenkten Tag in Montevideo (Uruguay) macht es einfach Spaß sich in dieser weltoffenen und mondänen Stadt zu bewegen. Am besten lässt man sich vom panischen Geschwätz anderer Touristen, wie gefährlich die Stadt sei, nicht verrückt machen. Unvergessen das deutsche Unternehmerpaar, dem wir bei den Ankunft begegneten, die wutschnaubend erklärten, schon nach drei Stunden überfallen worden zu sein. Jetzt sei die irre teure Rolex und die bezaubernde Gucci- Handtasche weg. Der Lady beim Einsteigen ins Taxi einfach vorm Arm gerissen, blauer Fleck inklusive. Ein solcher Leichtsinn ist fast schon strafbar.

Tag 6: Kein Haus in Montevideo

Reichlich bewaffnete Sicherheitsleute. In Montevideo blickt man schnell in den Lauf einer "Shotgun"....

Das hat man sich echt anders vorgestellt: Montevideo. Schon mit dem Name verbindet man - nicht nur wegen des Schwarz-Weiß Klassikers mit Curd Goetz - eine gewisse Seemannsromantik à la Hans Albers. Ein bisschen abgeblätterter Charme, koloniale Architektur und so weiter. Der aus dem Hause Stefan Loose stammende Reiseführer neuester Auflage schwärmt gar von einsetzender "Gentrifizierung", also Bauprojekten von Galerien, Wohnvierteln und Hotels durch wohlhabende Investoren, die den Charme der "ehemaligen Schweiz Südamerikas" wiederauferstehen lassen würden. Das alles ist kompletter Quatsch.

Tag 5: Malvinas oder Falklandinseln?


Wenn es um ein paar Inseln geht, versteht der Argentinier keinen Spaß. Es ist der Tag des Referendums auf den britischen Falklandinseln, als wir auf dem Plazo de Mayo im Zentrum von Buenos Aires in eine Protestkundgebung geraten. Mahnend ragen weiße Holzkreuze in den blauen Himmel - im Gedenken an die Opfer, als sich die Argentinier 1982 im Krieg mit den Engländern eine blutige Nase aber auch eine nicht verheilen wollende Wunde holten. Las Islas Malvinas (niemals anders würden die Argentinier "ihre" Inseln nennen) und deren englische Besatzer haben von der Nation 400 Söhne gefordert.

Tag 4: Echte Tränen für Evita

Das Grab der Eva Perón. Evita ist noch heute eine Ikone für die Argentinier.
In Buenos Aires gibt es ein Sprichwort: Noch schwieriger als eine (bezahlbare) Wohnung im noblen Stadtteil Recoleta zu bekommen, sei ein Platz auf dem hiesigen Friedhof zu ergattern. Damit haben die "Porteños", wie sich die Einwohner Buenos Aires selbst gerne nennen, zweifellos recht. Der Cementerio de Recoleta ist einzigartig - auch wenn die Bewohner freilich nichts mehr davon mitbekommen. Kurz hinter einem schmiedeeisernen Portal reihen sich wirklich beeindruckende Monumente aus Marmor und Granit aneinander. Grabstätten der reichen Familien. Hier ruhen argentinische Präsidenten, Generäle, Dichter, Denker, Musiker und auch Helden der Unabhängigkeit. Persönlichkeiten der Geschichte - auch unterschiedlichster politischer Couleur - haben hier ihre letzte Ruhe in den wuchtigen mit Engeln verzierten Gräbern gefunden. Gleich nebeneinander. Ganz friedlich.

Tag 3: Rapel - am Seil in die Schlucht

Adrenalin pur: 55 Meter über den Wasserfällen des Iguacu kann man sich als Tourist abseilen.

Gleich vorweg: Der TÜV hätte diese Anlage schon vor Jahren dicht gemacht. Keine Frage. Doch der sehr verwitterte Charme der Stahlkonstruktion des kranähnlichen Auslegers, der über die Schlucht des Iguacu ragt, erhöht so nur noch den Adrenalinspiegel. Daniel, braungebrannt und sehnig, ist der Coach fürs "Rapelling". Rapel ist eigentlich portugiesisch für Seil, die Amis machten daraus schnell ein Kunstwort und sprechen es ,räpällink' aus. 55 Meter über der Schlucht laufen von der Spitze des grünen Auslegers zwei Seile nebeneinander in die Tiefe. Bis unten zum Ufer des tosenden Iguacu. Von oben hat man einen wirklich schönen Blick auf die Fälle, der aber definitiv nur was für Schwindelfreie ist. Denn statt Planken hat man ein luftiges Drahtgeflecht unter den Füßen, dass einen permanent daran erinnert, wie hoch man hier ist.

Tag 2: Die Gurgel des Teufels



Abermillionen Liter Wasser rauschen in Sekunden aus 70 Metern in die Tiefe. Ein gigantisches Schauspiel - und man ist ganz nah dran.

Das dumpfe, unaufhörliche Dröhnen wird immer lauter. Je näher man den gewaltigen Wasserfällen mitten im tiefgrünen Dschungel an der Grenze zwischen Brasilien und Argentinien kommt. Wie ein dichter Schleier stauben Gischtfontänen aus bis zu 70 Metern Tiefe in den Himmel. Auf einem schmalen Steg kommt man ganz nah heran an die "Garganta del Diablo", der Gurgel des Teufels. Schon die ersten Europäer, jene spanischen Konquistadoren, die vor fast 500 Jahren zum ersten Mal vor diesem gewaltigen Naturschauspiel standen, waren fasziniert. Unvorstellbare Wassermassen des Iguacu stürzen hier von einer fast 2,7 Kilometer langen Abbruchkante in die Tiefe. Tosend. Brüllend. Am lautesten eben in der halbkreisförmigen Teufelskehle. Großes Wasser bedeutet der Name Iguacu in der Sprache der indigenen Guaraní-Indianer. Ein wahrhaft magischer Ort. Besonders, wenn frühmorgens die Sonne ihr Haupt über der Schlucht erhebt oder am Abend auf argentinischer Seite spektakulär versinkt.

Tag 1: Brasilianische Hitze und kühle Schweden

Airport Sao Paulo - Hier fahren noch die guten alten VW Bullis als VIP-Shuttles.

Geduld geht echt anders. Wer den Internationalen Flughafen von Sao Paulo (und seine Beschilderung) kennt, den kann eigentlich nichts mehr erschüttern. So ist die Stimmung in der gefühlt drei Mal so langen Warteschlange wie für eine Achterbahnfahrt im Phantasialand alles andere als heiter. Zumal es nur noch 15 Minuten bis zum Abflug des Anschlussfluges sind und die Boeing 777 der TAM Airline aus Frankfurt schon zackige 2 1/2 Stunden Verspätung hatte. Bis zur Passkontrolle dauert es in dieser Schlange mit Sicherheit noch 30 Minuten. Man ist genervt. Nur die lustige Gruppe von Schweden, die sich vier Absperrbandwindungen hinter uns tummelt, bringt das scheinbar nicht aus der Ruhe. Offenbar fliegt die Smörrebröd-Kombo auch ins brasilianische Foz do Iguacu (das heißt wirklich so), um jene sagenhaften Wasserfälle an der argentinischen Grenze zu bestaunen.

Schon bei dem extrem verspäteten Abflug in Frankfurt waren die Schweden durch ihre eiskalte, ja geradezu stoische Ruhe aufgefallen, während alle anderen Passagiere schon schon mit den Hufen scharrten. Wie anders aber die Menschen (aus)ticken können, zeigt dann das kleine Drama an Bord der Maschine nach Foz de Iguacu.